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SEK räumt Jugendclub in Stuttgart

Politische Diskussionen, die nicht direkt etwas mit den Einheiten zu tun haben (z.B.: "Was haltet Ihr von einem Einsatz des KSK in Afghanistan?") und Zeitungsartikel können hier diskutiert werden.

SEK räumt Jugendclub in Stuttgart

Beitragvon funker27 am 02 Aug 2005 01:03

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/s ... 2005-07-28

Spezialkommando räumt besetztes Jugendhaus

Insgesamt 150 Polizeibeamte im Einsatz - In anderthalb Stunden endet über 30-jährige Clubgeschichte

Sie kamen nicht bei Nacht und Nebel, sondern am helllichten Vormittag bei strahlendem Sonnenschein: Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei beendete am Mittwoch die sechswöchige Besetzung des Jugendhauses an der Oberen Weinsteige in Degerloch. 150 Polizisten gegen sechs Besetzer und 30 Sympathisanten.

VON WOLF-DIETER OBST

In zwei Minuten ist alles entschieden. Nach fünf Jahren Streit um ein neues Domizil für die Alternativszene des Jugendhausclubs Degerloch. Nach sechswöchiger Besetzung der alten Villa Obere Weinsteige 9. In jenen zwei Minuten nach 10 Uhr rollt ein Container-Lastwagen mit Tübinger Kennzeichen auf der B 27 bergwärts, stoppt plötzlich vor dem Gebäude, vermummte Männer hechten vom Lkw-Dach auf die Balustrade im ersten Stock, klettern blitzschnell über Leitern auf das Hausdach, überwältigen die beiden Wachposten, dringen durch ein offenes Fenster ins Dachgeschoss ein.

"Wir hatten die Befürchtung, dass die Besetzer aufs Dach flüchten würden, deshalb musste alles ganz schnell gehen", sagt Michael Kühner, Leiter der Schutz- und Kriminalpolizei, "das hätte für alle Beteiligten sonst sehr gefährlich werden können." Etwa für Julia Kümmel, die Sprecherin des Jugendhausclubs: "Ich bin in Panik auf die andere Seite des Dachs geflüchtet, als die Vermummten mit gezogenen Pistolen kamen", sagt sie, "immer wieder wären wir fast abgerutscht." SEK-Beamte seilen sie zum Dachgeschossfenster ab. Um 10.12 Uhr sitzt die Aktivistin mit fünf Mitstreitern im Alter von 19 bis 24 Jahren im verbarrikadierten Obergeschoss. Die Polizei war wie aus dem Nichts gekommen. An der Tür eines Zimmers klebt ein Kinoplakat: "Nimm dich in acht vor dem, was du nicht siehst!" Um 10.15 Uhr dürfen die ersten Autos wieder über die Obere Weinsteige rollen. Bis zum Mittag gibt es zwei Kilometer lange Staus.

Dass die Räumung letztlich doch anderthalb Stunden in Anspruch nimmt, liegt am Barrikadenbau innerhalb des heruntergekommenen Gebäudes. Vier Falltüren aus Stahl schotten das Treppenhaus ab, müssen mühsam geknackt werden. "Cop-Killer", steht drauf. Oder: "Achtung, Stacheldraht."

Der Haupteingang erweist sich als zu harte Nuss für die Beamten. Weder mit Stemmeisen noch mit Motorsäge lässt sich die Pforte öffnen. Eine Tür an der Straßenfront leistet schließlich weniger Widerstand. Eine Degerlocher Zuschauerin kommentiert das Hämmern und Klirren kopfschüttelnd: "In 30 Jahren ist hier noch keine Tür kaputtgegangen."

Die Mitglieder und Unterstützer des alternativen Jugendhausclubs sind vom polizeilichen Zeitplan überrascht worden. Nach einer Stunde sind 50 Zuschauer gekommen, sie werden von der Einsatzhundertschaft vom Haus ferngehalten. 150 Beamte sind im Einsatz, um Störungen zu verhindern.

Die Polizei wählte den Zeitpunkt des geringsten Widerstands. Letzten Freitag, als die Gerichtsvollzieherin im Auftrag der Stadt erschien, hatten noch 200 Demonstranten die Villa abgeschirmt. Am Mittwoch waren zunächst zwölf Besetzer im Gebäude, die Hälfte ging aber frühmorgens zur Arbeit. Alle hatten nachts die Augen offen gehalten. "2.54 Uhr, keine auffälligen Verhaltensmuster der Polizei", lautete die letzte Meldung auf der Internetseite - ehe dann der Spezial-Lkw der Polizei auftauchte.

Die Gerichtsvollzieherin, die formell für die Stadt als Gebäudebesitzerin die Polizei mit der Räumung beauftragt hatte, begutachtete das Areal, auf dem ein neues Kinder- und Jugendhaus gebaut werden soll. Die Räume gleichen einer Müllhalde. Das Haus wird zugemauert. OB Wolfgang Schuster verteidigt das Vorgehen: "Für mich ist unverständlich, warum die jungen Erwachsenen das Angebot eines unbebauten Grundstücks auf dem ehemaligen Cannstatter Güterbahnhof ausgeschlagen haben."

Gegen die letzten Besetzer, vier Männer und zwei Frauen, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft - wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Julia Kümmel vom Jugendhausclub gibt sich dennoch kämpferisch: "Wir werden sicher nicht vom Erdboden verschwinden." Am Abend gegen 20 Uhr versammelten sich etwa 180 Sympathisanten des Jugendhausclubs zu einer Demonstration auf dem Marktplatz.

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Bilder:

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http://www.polizei-stuttgart.de/aktuell ... ew&id=7902
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Beitragvon Klaus am 02 Aug 2005 02:19

Na und?
Man gebe mir sechs Zeilen, geschrieben von dem redlichsten Menschen, und ich werde darin etwas finden, um ihn aufhängen zu lassen.
Armand Jean du Plessis Richelieu (1585-1642), Herzog von Richelieu, frz. Kardinal und Staatsmann
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Beitragvon beerli am 02 Aug 2005 02:56

Dass die Räumung letztlich doch anderthalb Stunden in Anspruch nimmt, liegt am Barrikadenbau innerhalb des heruntergekommenen Gebäudes. Vier Falltüren aus Stahl schotten das Treppenhaus ab, müssen mühsam geknackt werden. "Cop-Killer", steht drauf. Oder: "Achtung, Stacheldraht."


da sind wohl einige bei der *hafenstraße* in die lehre gegangen. dort gab es ähnliche, aber noch massivere hindernisse.

cu beerli (das war doch alles kinderkram)
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Beitragvon Kreuz As am 02 Aug 2005 06:38

:arrow: In der Hafenstrasse waren ja auch teilweise richtige Spezialisten am Werk.
Operative Desinformation
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Beitragvon Der Weisse Hai am 02 Aug 2005 09:06

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Was tragen die SEKler denn für Helme? Sieht mir irgendwie nach dem Bundeswehr-M1-Stahlhelm aus, allerdings mit anderer Lackierung.

Edit: Könnten natürlich auch die Springerhelme sein :-P

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Beitragvon MarlboroMan am 02 Aug 2005 11:55

Was war denn in der "Hafenstraße "?
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Beitragvon Panzermeyer am 02 Aug 2005 12:06

MarlboroMan hat geschrieben:Was war denn in der "Hafenstraße "?


Oh, ein Spätgeborener...

Google mal nach "Hamburg Hafenstrasse Hausbesetzer"


mkg
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Beitragvon Macs am 02 Aug 2005 12:17

Für 36 Personen braucht man 150 Polizisten samt SEK ? Oder ist das so nach dem Motto: 50 tun was und 100 schauen zu gelaufen ?

Da hätte man auch einfach ein paar Polizisten mit Knüppeln/Pfefferspray ausrüsten können, und den Typen mal zeigen wo der Hammer hängt. :x

Reine Geldverschwendung.
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Beitragvon Thomsen am 02 Aug 2005 12:19

Macs hat geschrieben:Da hätte man auch einfach ein paar Polizisten mit Knüppeln/Pfefferspray ausrüsten können, und den Typen mal zeigen wo der Hammer hängt. :x

Reine Geldverschwendung.


Genau, und die Schmerzensgeldzahlungen etc. belasten den Steuerzahler
ja nicht.

Schwätzer.
Thomsen
 

Beitragvon Gerry am 02 Aug 2005 12:24

Ich denke das war einfach eine Frage der Eigensicherung. In dem Artikel stand ja etwas von mehr als 200 Personen die zuvor dort demonstriert hatten. Und man muss ja auch immer einkalkulieren, dass jemand aus dem Gebäude flüchtet.
“Owning a handgun doesn't make you armed any more than owning a guitar makes you a musician.”
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Beitragvon funker27 am 02 Aug 2005 12:32

http://www.obw9.de/

25.07.2005:

+60 UnterstützerInnen fanden sich heute nacht vor dem Haus ein
+ Es wurden weitere Barrikaden errichtet
+ Die Polizei ist indessen Patroullie gefahren, bat die AktivistInnen den Gehweg zu räumen und beteuerte, dass keine Räumung geplant wäre
+ ... ansonsten blieb alles ruhig!

26.07.2005:

+ 3.09 h: weiterhin keine nenneswerten Aktionen der Polizei +
+ 2.38 h: Keine auffälligen Verhaltensmuster der Polizei im Grossraum um das OBW9
+ 0.55 h: diverse UnterstützerInnen befinden sich vor dem Haus
Lage bislang noch entspannt

+ 2.54 h: Keine auffälligen Verhaltensmuster der Polizei in Stuttgart
+ 0.44 h: alles ruhig


+ 10.26 h: DAS OBW9 WIRD IN DIESEM AUGENBLICK GERÄUMT !!!
+ Min. eine Hundertschaft des SEK und der Polizei Stuttgart sind aufgefahren
+ Unterstützt uns mit eurer Anwesenheit

+ 11.00 h: 30 UnterstüzerInnen anwesend
+ Polizei dringt durch die Vorderseite über den Balkon ein
+ Strasse auf eine Spur umgeleitet
+ 20 Wannen, Zivilpolizei, Presse, Staatsanwalt und Politiker anwesend
+ 12.30 h: BesetzerInnen werden nach Personalienkontrolle frei gelassen + OBW9 in der Hand der Polizei


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Diese Leute sind ja recht modern eingestellt. Schreiben Tagebuch während der Räumung, Respekt! :lol:
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Beitragvon Tobi am 02 Aug 2005 13:22

Hätte das das MEK nicht genau sogut gekommt, vielleichtt sogar ne BFE/BFH..


MFG
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Beitragvon Thomsen am 02 Aug 2005 13:28

Nö, weil es nur in Hamburg ein MEK gibt.
Thomsen
 

Beitragvon Der Weisse Hai am 02 Aug 2005 13:39

Nee, nur in HH gibt es ein MEK, daß gleichzeitig als SEK fungiert ;)

BFE/BFH sind wahrscheinlich nicht so fundiert in Klettertechniken etc. ausgebildet, wie das SEK.

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Beitragvon Ranger am 02 Aug 2005 13:48

Tobi89 hat geschrieben:Hätte das das MEK nicht genau sogut gekommt, vielleichtt sogar ne BFE/BFH..


MFG


Soviel wieder zu Aufagen MEK/SEK/BFE.
Wöfür hält man denn ein SEK vor? In dieser Situation gabs Abseilen, Spezialzugangtechnik und verbarrikadierte Besetzer. Was willst Du da mit ner BFE?

Wenn man die BePo ranlässt und dabei stürzt auch nur ein Beamter vom Dach oder verletzt sich, dann fragt die Öffentlichkeit zu Recht "Warum wurde nicht das SEK eingesetzt???"!
Wenn man hochspezialisierte Beamte zur Verfügung hat, dann soll man sie auch einsetzen.

@funker27
Schöne Bilder! Thx!
"Ein Mensch, der für nichts bereit ist sein Leben zu geben, hat das Leben nicht verdient!"
Martin Luther King

Glück Ab,
Ranger!
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